Musik als Schlüssel zum Verständnis der Geschichte der Afro-Amerikaner

Die Fachschaftsleitung Englisch war auf Frau Dr. Harju von der LMU München aufmerksam geworden, die sich der Geschichte des schwarzen Amerika aus einer völlig neue Perspektive nähert, nämlich über die Musik. Wie schön, dass Dr. Harju sich bereit erklärte, nach Laufen zu fahren und für die Oberstufenschüler einen Vortrag zu dieser Thematik zu halten!

Die Rolle der Musik in der schwarzen Unabhängigkeitsbewegung umfasst vor allem zwei Aspekte: Sie gewährleistete die Verbundenheit zum Herkunftsland und sie entwickelte sich rasch zu einem Sprachrohr des Protests. Während der Zeit der Sklaverei kristallisierten sich Arbeitssongs und Spirituals heraus, die verschlüsselte Botschaften enthielten, die den weißen Unterdrückern nicht bewusst waren, für die Schwarzen aber ein äußerst relevantes Kommunikations- und Protestmittel darstellten. Zudem beschrieben sie die ganze Härte und Grausamkeit des Sklavendaseins (vgl. "Nobody knows the trouble I see").

Im 19. Jahrhundert wurde der Einfluss der schwarzen Musik auf das weiße Amerika zunehmend deutlich. Nicht nur fanden Instrumente wie das Banjo oder die Drums Eingang in die weiße Musik; vielmehr entstanden nach dem Bürgerkrieg auch Gruppen schwarzer Musiker, die durch das Land tourten und ein Interesse für ihre Musik weckten. Die Barbershop-Musik (A-capella Quartette oder Chöre mit Lead Sängern) entwickelte sich und die so genannte Harlem Renaissance stellte in den 1920ern und 30ern eine regelrechte Explosion des Afro-Amerikanismus dar. Afro-Amerikaner waren stolz auf ihre Wurzeln und thematisierten sie in Songs und Gedichten (vgl. Langston Hughes). Billie Holiday schrieb ihren Song "Strange fruit", in dem sie die Lynchmorde durch den KuKluxKlan anprangert.

Auch in der klassischen Phase des Civil Rights Movement war die Musik ein wesentlicher Identifikationsfaktor. Der March on Washington und Martin Luther Kings Rede "I have a dream" sind eng verbunden mit der Hymne "We shall overcome". Der friedliche Protest und die abwartende Haltung, die sich z.B. in Sam Cooks Song "A change is gonna come" ausdrücken, wich aber mit der zunehmenden Radikalisierung der Bürgerrechtsbewegung anderen Songs, die eine deutlichere Sprache wählten. Ein Beispiel hierfür ist Nina Simones "Mississippi Goddam".

James Browns Slogan "Say it loud, I'm black and proud" prägte die 1970er Jahre und brachte das schwarze Selbstbewusstsein auf den Punkt. Seit den 1980er Jahren findet der Protest vor allem im Hip-Hop seinen Ausdruck. Die Themen (Arbeits- und Perspektivenlosigkeit, schlechte Wohnbedingungen, Polizeigewalt etc.) zeigen aber, dass die schwarze Protestbewegung nicht auf eine Hautfarbe zu reduzieren ist, sondern immer schon auch grundsätzlich alle benachteiligten Schichten im Blick hatte, ganz unabhängig von der Hautfarbe.

Gegenwärtig steht die Black Lives Matter-Bewegung im Vordergrund. Die Sängerin Beyoncé z.B. nutzt Auftritte oft, um durch Details bei der Kostümierung oder natürlich in ihren Texten auf die leidvolle Geschichte der Afro-Amerikaner anzuspielen. Schließlich sollte Kendrik Lamar erwähnt werden, der mit seinem "We're gonna be alright" sozusagen die Hymne für Black Lives Matter schuf.

Dies ist nur ein kurzer Einblick in den Vortrag, der noch so viel mehr Interessantes enthielt und Schülern wie Lehrern Lust machte, selber weiter zu recherchieren. Bestimmt werden wir bei manchem Song nun genauer hinhören und die Anspielungen und Zusammenhänge besser verstehen.

R. Deiminger-Goldschalt

 

 

 

Guns, Gun Control and Mass Shootings

Eine feste Einrichtung am RGL sind inzwischen die Vorträge von Herrn Dr. Hünemörder, Dozent für amerikanische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.Für seinen jährlichen Vortrag für die Oberstufenschüler war diesmal (17.10. 2018) die Waffenliebe der US-Amerikaner vereinbart worden, ein aktuelles Thema in der Englisch-Oberstufe. Wie immer war der Vortrag in englischer Sprache, so dass die Schüler neben der landeskundlichen Informationen gleichzeitig eine gute Übungsmöglichkeit im Hörverstehen hatten.

Dr. Hünemörder erläuterte in seinem Vortrag zunächst Möglichkeiten der Klassifizierung von Schusswaffen. Man muss nämlich genau unterscheiden können, um die existierenden Regelungen und Waffengesetze auf Bundes- sowie Einzelstaaten-Ebene verstehen zu können. Im Weiteren ging es um die historisch relevanten (Revolutionary War, Civil War, frontier experience) sowie die gegenwärtigen Ursachen (Schutzfunktion, Jagdleidenschaft, Abgeschiedenheit in ländlichen Landstrichen, Rolle der Waffen in der Pop-Kultur) für die enorme Präsenz von Waffen in den USA. Die Zahlen, die der Referent präsentierte, sprechen für sich: Etwa 400 Millionen Schusswaffen sind in den USA in Privatbesitz, und das bei einer Bevölkerung von ca. 320 Millionen. Das ist einsamer Weltrekord, wenngleich ein sehr bedenklicher.

So ist es nicht verwunderlich, dass die USA auch bei Schießereien mit tödlichem Ausgang oder sogar bei "Mass Shootings" mit hohen Opferzahlen traurige Weltspitze sind . Den Begriff "Mass Shooting" zu definieren, ist schwierig, denn ab wann kann man von einer Masse sprechen? Dr. Hünemörder nennt zwei Merkmale, die alle Amokläufe teilen: Es wird eine möglichst hohe Opferzahl angestrebt und es gibt kein nachvollziehbares Motiv. Zudem zeigen nahezu alle Amokläufer psychische Auffälligkeiten.

Was die Konsequenzen aus all diesen Vorfällen anbelangt, ist die amerikanische Gesellschaft äußerst gespalten. Während die "Gun Lobby", angeführt von der NRA (National Rifle Association) jegliche Verschärfung der Gesetze ablehnt und sogar für noch mehr Waffen plädiert, sprechen sich gemäßigtere Stimmen für einen viel reglementierteren Umgang mit Waffen aus. Kompromisse sind in der USA allerdings derzeit nicht in Sicht.

Diese komplexen Inhalte verstand der Referent so geschickt aufzubereiten und darzustellen, dass die Schüler/innen problemlos folgen konnten. Dankbar waren sie auch für die auflockernden Simpsons-Episoden und Filmausschnitte, die sehr hilfreich waren, um die Inhalte ansprechend auf den Punkt zu bringen.

Schüler und Lehrkräfte freuen sich auf Dr. Hünemörders Besuch im nächsten Schuljahr.

R. Deiminger-Goldschalt