Digitalisierung und Vernetzung unseres Lebens – Digitalisierung als Gegensatz von Denken oder als Demokratisierung des Wissens?

Schüler im Computerraum K07
Router und Server
Switch

Was meint eigentlich „unser Leben“? Die Forschung zu Themenkomplex Lebensqualität zeigt, dass unsere Lebenswelt – trotz vielfältiger, individueller Lebensentwürfe und unterschiedlichster Lebensumstände – letztlich in sieben Lebensbereiche aufgefächert werden kann. Zum Leben zählen der Austausch mit Freunden und Familie, Freizeit und Wohlbefinden, Arbeiten und Lernen, materielle und finanzielle Aspekte, Gesundheit, Gesellschaft und Gemeinschaftsleben sowie das Thema Sicherheit mit all seinen Facetten (nach Prof. Robert A. Cummins, Deakin University Australia). Die Frage: „Digitalisierung und Vernetzung unseres Lebens: ja oder nein?“ stellt sich eigentlich nicht mehr. Beide Phänomene haben heute schon weit reichenden Einfluss auf all die oben genannten Bereiche und dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch weiter fortsetzen. Mit den digitalen Medien wird die Hoffnung eines besseren und einfacheren Verstehens unserer Welt verbunden: historische Fakten, wissenschaftliche Quellen, Filme, etc. – alles per Maus-Klick.

 

Digitalisierung darf  keinesfalls eine Art „Automatisierung des Lebens“ werden bzw. als solche gesehen werden, sondern sie muss den Schüler mit all seinen Gestaltungsmöglichkeiten und seiner sozialen Verantwortung in den Mittelpunkt stellen. Die Gesellschaft im Allgemeinen und die Schule im Speziellen steht vor der Herausforderung, eine neue Form der Kulturgesellschaft zu bilden, die sich gegen Formalisierung und Instrumentalisierung stellt und für Bildung als Eigenwert, als Bildung der Persönlichkeit eintritt. Im Fokus steht dabei, dass die Schüler nicht als allseits bereite, flexible Objekte agieren, sondern zu selbsttätigem Lernen angeregt werden und sich hin zu sozial kompetenten, kreativ agierenden, verantwortungsbewussten und souveränen Mitgliedern unserer Gesellschaft entwickeln.

Selbständiges Lernen braucht aber Medienkompetenz. Die Schüler müssen in der Lage sein, sich bietende Medienangebote sinnvoll auszuwählen und diese gewinnbringend zu nutzen, sowohl in der Schule, als auch im häuslichen Umfeld. Es geht um mediale Produkte, Werkzeuge und Kommunikationsdienste, die bewusst im Sinne verschiedener Funktionen zu nutzen sind. Medienbildung muss als Ziel haben die Schüler in die Lage zu versetzen Medien zu verstehen und sie zu bewerten. Bei der Nutzung geht es dann auch darum, dass die Schüler diverse Einflüsse erkennen und sich damit konstruktiv auseinandersetzen. Nicht zuletzt wird durch das selbständige Lernen in medien- und netzbasierten Lernumgebungen das Selbstkonzept gefördert und Fehlverhalten und Sucht verhindert bzw. eingedämmt.

Die Digitalisierung und die genannten Ansprüche verändern Bildung und Schule, insbesondere auch die Rolle von Schülern und Lehrkräften. Für uns als Schule ergibt sich daraus u.a. eine Verantwortung, Informationskompetenz und Gestaltungsfähigkeit in digitalisierten Kontexten zu entwickeln. Dies erfordert zwei Maßnahmen, die nicht unabhängig voneinander, sondern Hand in Hand gehen müssen: Einerseits müssen Computer, Whiteboards etc. angeschafft, Internetzugänge eingerichtet und eine Schul-IT aufgebaut werden. Andererseits müssen didaktisch aufbereitete Lernmaterialien und –methoden eingesetzt werden, so dass ein selbständiges und handlungsorientiertes Medienhandeln, sowie, damit verbunden, das Aneignen von komplexen Lerninhalten durch den Schüler gelingen kann.

 

Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, haben wir in diesem Schuljahr kräftig in das Netzwerk investiert. Auf der Hardwareseite steht ein neuer, leistungsstarker DELL PowerEdge R815 - Server, sowie die Neuausstattung beider Computerräume mit jeweils über 30 Windows7-Rechnern. Auch im Bereich der Software haben sich einige Änderungen ergeben. Die wohl wichtigste Umstellung betrifft den Office-Bereich. LibreOffice ist eine leistungsfähige Office-Suite, voll kompatibel mit den Programmen anderer großer Office-Anbieter und für verbreitete Betriebssysteme wie Windows, GNU/Linux 32-/64-Bit und Apple Mac OS X geeignet und daher für alle unsere Schüler auch zu Hause einfach einsetzbar. LibreOffice ist eine Freie Open Source Software und kann daher für den privaten Gebrauch kostenlos heruntergeladen werden.

Das Herzstück der Infrastruktur ist jedoch die pädagogische Oberfläche vCE (virtual Campus Environment). Mit ihr können nicht nur alle Schüler mit und in ihren jeweiligen Klassen / Kursen verwaltet (persönliche und klassenweise Ordnerstruktur, …), sondern es können diverse Dienste wie Drucken, Internet, USB-Ports etc. gesperrt oder freigeschalten werden. Auch Anwendungen oder Dateipakete kann der Lehrer dem einzelnen Schüler oder einer ganzen Klasse zur Verfügung stellen. Mit Hilfe einer Remote-Control Funktion lassen sich Schüler-PCs fernsteuern oder auf einen beliebigen anderen Bildschirm projizieren. 

 

Der zweite Punkt ist die pädagogische Seite. Das objektorientierte Kursmanagementsystem moodle – eine online-Lernplattform die über die Bereitstellung von Kursräumen kooperative Lehr- und Lernmethoden in idealer Art und Weise ermöglicht – findet immer häufiger Einzug in den Unterricht. Ab April wird das online-Portal mebis (Medien – Bildung – Service), das eine umfangreichen Mediathek beinhaltet, unser Repertoire ergänzen. Die in der mebis-Umgebung inkludierte Lernplattform ist das bereits bei uns eingesetzte Lernmanagementsystem moodle. Der große Pluspunkt bei dieser online-Lernplattform ist die Tatsache, dass die Schüler auch von zu Hause aus auf alle Inhalte zugreifen und miteinander und mit dem Lehrer kommunizieren können.

Abschließend möchte ich noch einmal die im oberen Teil des Artikels angesprochenen Schlagwörter Informationskompetenz, Gestaltungsfähigkeit in digitalisierten Kontexten und selbständiges Lernen aufgreifen. Es soll nicht der Eindruck vermittelt werden, als wäre es damit getan einen Arbeitsauftrag geschickt zu formulieren, die Schüler zu motivieren und ihnen eine Lernumgebung mit diversen Modulen, verschiedenste Software und einen Internetzugang zur Verfügung zu stellen. Je freier Schüler arbeiten, desto fundierter müssen die zuvor erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sein, wenn das Projekt nicht nur einem äußerlichen Schein genügen, sondern auch eine inhaltliche Wertigkeit besitzen soll.

 

Schüler der 7. Klasse bekamen gegen Ende des ersten Halbjahres den Arbeitsauftrag über 4-5 Wochen hinweg, entweder alleine oder in Kleingruppen, eine eigene Internetseite zu erstellen. Das Thema des Internetauftritts war frei wählbar. Als mögliche thematische Vorschläge wurden „Ich präsentiere meinen Wohnort“, „Freundschaft“, „Eine Schule ohne Rassismus“ etc. genannt. In der Arbeitsphase stand der Lehrer „lediglich“ als Ansprechperson zur Verfügung, der bei kleineren, meist technischen oder strukturellen Problemen Hilfestellung gab. Es entstanden in den Wochen sehr ansprechende und sowohl technisch als auch inhaltlich gute Internetauftritte in die häufig Fotos und kleine, selbst gedrehte Handy-clips integriert wurden. Möglich waren diese Schüler-Arbeiten aber nur, weil im Vorfeld über mehrere Wochen hinweg ein sehr lehrerzentrierter Unterricht stattgefunden hat, in dem die Schüler das nötige Handwerkszeug mehr oder weniger mühsam erlernen mussten.

Die Schüler haben in der abschließenden Arbeitseinheit, größtenteils durch selbständiges Lernen, erfahren, dass Internet- und Handyfunktionen auch kreativ und kommunikativ zum Ausdruck eigener Ideen und zur Interaktion mit Freunden und Bekannten genutzt werden können. Manchmal aber kann das Internet / das Mobiltelefon und das damit hergestellte Medienprodukt auch anderen schaden. Um das zu verhindern, ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche Kompetenzen erwerben, die ihnen einen bedachten Umgang mit Internet und Handy ermöglichen.

 

Durch die umfangreichen Investitionen in die Medienausstattung, sowie durch die Etablierung einer Lernkultur, in der traditionelle und neue Bildungsmedien didaktisch und pädagogisch sinnvoll verknüpft werden, sehen wir uns auf einem guten Weg, um unsere Schüler für ein Leben im 21. Jahrhundert optimal vorzubereiten.   

 

(Schmid)